Erfahrungsbericht von Maria H.

Alter: 26 | Aufenthaltszeitraum: 30.11.2011 – 24.04.2012
Freiwilligenstellen: Nursery School in Gunjur (4 Monate), Umweltorganisation GEPADG (1 Monat)

Vor meiner Zeit in Gambia habe ich mich als fast vorurteilsfreie Person gesehen. Durch meinen Freiwilligendienst habe ich für mich gelernt, dass auch ich nicht gefeit davor bin.
Ich habe Dinge zugeschrieben und kategorisiert. Dadurch bin ich doch teilweise recht vorurteilsbehaftet und mit fixen Meinungen durch die gambische Gesellschaft gestiefelt und bin meinem Gegenüber nicht offen begegnet. Klar, man möchte das Fremde verstehen und legt sich seine eigenen Erklärungen und Raster zurecht. Dass man damit aber meilenweit danebenliegen kann, habe ich während meines Gambiaaufenthaltes eindrucksvoll erlebt.
Ich habe irgendwann angefangen, viele zu fragen, ihnen meine Erlebnisse und Eindrücke beschrieben. So ist mir bewusst geworden, dass ich mit meinem (deutschen) Kopf vieles anders interpretiere und wahrnehme als es gemeint ist. Ohne direkten Austausch kann man nicht verstehen. Im Nachhinein finde ich es schade, nicht bereits in der Anfangszeit diesen Austausch betrieben zu haben.
Außerdem habe ich mir stets ins Gedächtnis gerufen, dass ich auf Individuen treffe, jeder davon mit seiner eigenen einzigartigen Persönlichkeit unterwegs ist und nichts für „die Gambier“ gilt. Erst dann habe ich wirklich ehrliches Interesse an den Menschen entwickeln können.
Wichtig ist auch, als Freiwilliger keine Angst vor „kulturellen Fettnäpfchen“ zu haben und deshalb übervorsichtig werden. Das heißt, wir kennen die gambischen Umgangsregeln usw. nicht und es ist okay, wenn wir Dinge so tun, wie wir sie gewohnt sind. Außerdem ist es auch gar nicht nötig, sich vollkommen gambisch zu verhalten. Klar sind wir Gast in einer anderen Kultur. Um Teil zu werden, müssen wir uns in gewissem Maße anpassen. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich meine Art vollkommen ablegen musste, sondern erlebte eher, dass diese geschätzt oder zumindest akzeptiert wurde.
Zurück in Deutschland kam es mir wie ein vollkommener Neuanfang vor. Die neuen Erfahrungen, Gedanken, Sichtweisen und Bedürfnisse müssen mit dem Leben hier in Einklang gebracht werden. Das brauchte bei mir sehr viel Zeit. Ankommen und in Ruhe gucken, was passt und was nicht, und dann daraus etwas machen. Bevor irgendwelche zukunftsweisenden Entscheidungen getroffen werden, würde ich mir nun nach solch einem Aufenthalt immer mindestens einen Monat Zeit lassen.
Das sind meine wichtigsten Erkenntnisse, die ich von meinem Aufenthalt im schönen Gambia mitgenommen habe. Es war eine herausfordernde und schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Ich habe meinen Horizont erweitern können und durch meine Anwesenheit und die Interaktion konnten dies sicher auch einige Gambier. Das ist, was für mich meinen Freiwilligendienst sinnvoll gemacht hat.