Freiwilligen-Blog: Esel mögen keine Mangos

von Lhayla aus Peru

Nach einem verschwitzten Weihnachtsfest mit zermatschten Semmelknödeln  und Rindersteak, einer verregneten Silvesternacht in den Diskotheken Cuscos und einer dreiwöchigen, abenteuerlichen Reise mit Naja und meinen Eltern trennten sich in der ersten Woche des neuen Jahres unsere Wege in Cusco. Meine Eltern trieb es weiter durch den Dschungel bis an die Küste und ich traf mich nach einer turbulenten Busfahrt mit einigen Pannen um 6 Uhr morgens irgendwo am Arsch der Welt in Huaraz mit meinem Mitbewohner Kilian (tragischer weise hat der Bus es tatsächlich nach 8 Stunden Fahrt nicht mehr bis zum Terminal geschafft)._DSC0745Nach einem freudigen Wiedersehen, einer langersehnten, warmen Dusche und einer entspannten Nacht in irgendeiner Absteige, machten wir am nächsten Morgen eine Tagestour zu    den Ruinen von Chavín de Huántar. Es handelt sich dabei um ein unterirdisches Labyrinth, in dem sich diejenigen, die privilegiert waren es zu betreten, angeblich in kuriose Fabelwesen mit besonderen Fähigkeiten verwandelten. Dass diese „Tatsache“ auch nur irgendetwas mit den Meskalin-Kakteen, die sie vorher zu sich nehmen mussten um in dem ansonsten vollständig verdunkelten Gängen überhaupt etwas sehen zu können, zu tun haben könnte, auf diese Idee ist bis 200 vor Christus jedoch anscheinend niemand gekommen und so wurden, diejenigen, die die Höhlen betreten durften als privilegierte Übermenschen vergöttert.
Nach dieser kuriosen Exkursion klapperten wir etliche Traveler-shops  ab um uns am Ende zu einem fairen Preis ein Zelt, zwei Isomatten, zwei stinkende Schlafsäcke, einen Gaskocher und verdrecktes Reisegeschirr auszuleihen. Am nächsten Morgen ging es dann früh mit einem Kombi in die Berge.
Für den ersten Tag hatten wir uns zuvor eine Tour zur berüchtigten „lagune 69“ gebucht. Sehr amüsiert über den äußerst verdächtig nach Stundenhotel riechenden Namen, wurden wir nach 2 ½ Stunden Fußmarsch (bei dem einige der Klischee Rollkoller-Touris tatsächlich schon nach der Hälfte aufgaben und am Auto warteten bis der Rest nach Stunden wiederkam) dann doch von einer naturbelassenen türkisblauen Lagune umgeben von schneebedeckten Gletschern, überrascht. _DSC0850Während der Rest der Tour wieder zurück mit dem Bus nach Huaraz fuhr, schlugen Kilian und ich nebenbei unser Zelt am Fuße eines Berges direkt an einem Bächlein, auf. Nach einer kleinen Kochaktion und einigen Schnappschüssen für meine Mutter auf denen wir völlig verbrannt, schwitzend in die Kamera glotzen, als Beweis dafür, dass wir entgegen ihrer Befürchtungen eben nicht einsam in den Bergen erfrieren, fielen wir müde ins Zelt.
Am nächsten Morgen wurden wir viel zu früh und in einer äußerst peinlichen Situation, die ich an dieser Stelle nicht weiter erläutern möchte, von einem Ranger geweckt. Da der Typ vom Zeltverleih völlig überzeugt davon war, wir könnten auf jeden Fall beim Verlassen des Nationalparks die Gebühren bezahlen, hatten wir nun kein Ticket und mussten nach Hinterlassen unserer Passnummern irgendwie wieder an den Eingang kommen (ca. ein Tagesmarsch). Zum Glück trafen wir auf einem befahrbaren Weg einige peruanische Männer mit Auto, die uns völlig überteuert zum Eingang und zurück fuhren. Da wir dann auch noch über 60 Soles Eintritt zahlen mussten, waren wir schon am ersten Tag beinahe pleite. Mit einem total aufgesetzten Dackelblick, den ich als jüngste von drei Kindern in Notfällen durchaus beherrsche, wurden wir netterweise für ein paar Sol von einem peruanischen Arbeitertransporter bis ins nächste Dorf mitgenommen, ab da an hieß es: Raus aus der Zivilisation, ab in die Berge!
Da es noch schon mittags war und die Sonne prallte, fielen wir nach einigen Stunden leichtem bergauf gehen, völlig vom Regen durchnässt, nach ungekochten, trockenen Tütennudeln erschöpft ins Zelt.
Am nächsten Morgen stiegen wir nach dem herzlichen Wecken einer Kuh und einer äußerst merkwürdigen Zeremonie, die die Berggötter besänftigen soll und bei der man eine halbgerauchte Zigarette, drei Coca-Blätter  und einen Schluck ekelhaften Schnaps an den Fuß des Berges legen soll und sich danach sogar noch etwas wünschen darf, bis auf 4750m hoch._DSC0829Nach einem kurzen Abstieg gönnten wir uns dann, am Zeltplatz angekommen den billigen Supermarkt-Fuselwein, den wir bis dahin geschleppt haben und der wirklich vorzüglich zu den halbrohen Nudeln mit der kalten Fertigsoße passte. Wir lagen noch bis spät in der Nacht auf einem Regencape auf einem nassen Felsen inmitten von Kühen und haben in dieser Nacht wohl einer der krassesten Sternenhimmel überhaupt gesehen.
Am letzten Tag brachen wir vormittags auf, füllten unsere Wasserflaschen einfach direkt mit dem Flusswasser auf (es war wirklich gar nicht so einfach im Gehen zu trinken ohne dabei unseren Freund den Wasserfloh mitzuessen) und gingen 25 km zu Fuß teilweise bis zu den Knöcheln im Wasser durch ein Flussbett und halb kletternd durch tote Bäume, bergab bis ins nächste Dorf. Ungefähr auf der Mitte der Strecke machten wir auf einem Zeltplatz/Eselwiese halt um eine Mango zu essen. Sofort kamen bestimmt 10 Esel auf uns zugerannt, versammelten sich im Kreis um uns, knabberten uns und unsere Rucksäcke an und wollten buchstäblich auf den Arm genommen werden. Während ich unsere Rucksäcke verteidigte, versuchte Kilian die Esel mit Mangoschale zu füttern um sie abzulenken. Die „Gourmetmäuler“ waren sich für die labbrige, durch die Sonne schon sauer gewordene Schale dann aber doch zu schade und fingen stattdessen hysterisch an sich um uns zu streiten. Nach einigen Streicheleinheiten und gescheiterten Eselreitstunden gingen wir bei strahlendem Himmel durch grünbewachsene, menschenverlassene Täler und grasende Tierherden weiter bergab. Nachdem wir noch einige Stunden wanderten, kamen wir gegen Nachmittag auf einem Hof, nahe dem Dorf, an. Mit einem aufgeregtem „gringos, gringos, gringos!!“ Schrei einer peruanischen Frau wurden wir zu einem vollgestopften Bulli gelotst und für unser letztes Geld mit in das nächstgrößere Dorf genommen. Von dort aus konnten wir dann einen Kombi nach Huaraz nehmen. Da wir jedoch keinen centimos mehr hatten, blieben wir bis zur Endstation sitzen du wurden wie vorher besprochen von dem Busfahrer und dem cobrador bis vor die Haustür unseres Hostels gefahren um dort Geld zu holen. Nach einer langen Dusche, einer riesen Portion Abendessen und durchaus verdienten Feierabendbierchen, fielen wir kaputt ins Bett.
Am nächsten Tag fuhren wir sieben Stunden mit einem Nachtbus nach Trujillo und genossen 4 Tage hartverdienten Strandurlaub in einem Billighostel in Huanchaco mit Meerblick und ganztägigem Frühstück auf der Terrasse eines süßen, veganen Restaurants direkt am Strand. _DSC0824