Archiv der Kategorie: Ehemaligenberichte

Erfahrungsbericht von Amina B.

Alter: 20 | Aufenthaltszeitraum: Juli 2012 – Juli 2013
Freiwilligenstelle: Alliance for Democracy in Africa (ADA) (ca. 10 Monate)

In den ersten vier Wochen war meine Familie mit mir vor Ort. Da mein Papa aus Gambia kommt, war ich bereits zum fünften Mal dort und konnte bei meinem Onkel und seiner Familie leben. Die Eingewöhnungszeit war deswegen sehr kurz, und ich habe mich schnell sehr wohlgefühlt, auch jetzt, wenn ich über Gambia rede, verwende ich oft versehentlich die Wörter „zu Hause“. Erfahrungsbericht von Amina B. weiterlesen

Rückblick – Nachbereitungstreffen für die Freiwilligen 2012/13

Am Wochenende vom 03. bis 05.Mai fand im kleinen Ort Wünsdorf, nahe bei Berlin, das Nachbereitungstreffen für vier der VolNet-Freiwilligen der letzten Generation statt. Zwei konnten leider nicht teilnehmen, da sie noch mitten im Leben in Gambia weilen und erst im Juli wiederkommen. Natürlich haben wir sie vermisst, aber es war trotzdem ein schönes Wiedersehen. Rückblick – Nachbereitungstreffen für die Freiwilligen 2012/13 weiterlesen

Erfahrungsbericht von Maria H.

Alter: 26 | Aufenthaltszeitraum: 30.11.2011 – 24.04.2012
Freiwilligenstellen: Nursery School in Gunjur (4 Monate), Umweltorganisation GEPADG (1 Monat)

Vor meiner Zeit in Gambia habe ich mich als fast vorurteilsfreie Person gesehen. Durch meinen Freiwilligendienst habe ich für mich gelernt, dass auch ich nicht gefeit davor bin.
Ich habe Dinge zugeschrieben und kategorisiert. Dadurch bin ich doch teilweise recht vorurteilsbehaftet und mit fixen Meinungen durch die gambische Gesellschaft gestiefelt und bin meinem Gegenüber nicht offen begegnet. Klar, man möchte das Fremde verstehen und legt sich seine eigenen Erklärungen und Raster zurecht. Dass man damit aber meilenweit danebenliegen kann, habe ich während meines Gambiaaufenthaltes eindrucksvoll erlebt.
Ich habe irgendwann angefangen, viele zu fragen, ihnen meine Erlebnisse und Eindrücke beschrieben. So ist mir bewusst geworden, dass ich mit meinem (deutschen) Kopf vieles anders interpretiere und wahrnehme als es gemeint ist. Ohne direkten Austausch kann man nicht verstehen. Im Nachhinein finde ich es schade, nicht bereits in der Anfangszeit diesen Austausch betrieben zu haben.
Außerdem habe ich mir stets ins Gedächtnis gerufen, dass ich auf Individuen treffe, jeder davon mit seiner eigenen einzigartigen Persönlichkeit unterwegs ist und nichts für „die Gambier“ gilt. Erst dann habe ich wirklich ehrliches Interesse an den Menschen entwickeln können.
Wichtig ist auch, als Freiwilliger keine Angst vor „kulturellen Fettnäpfchen“ zu haben und deshalb übervorsichtig werden. Das heißt, wir kennen die gambischen Umgangsregeln usw. nicht und es ist okay, wenn wir Dinge so tun, wie wir sie gewohnt sind. Außerdem ist es auch gar nicht nötig, sich vollkommen gambisch zu verhalten. Klar sind wir Gast in einer anderen Kultur. Um Teil zu werden, müssen wir uns in gewissem Maße anpassen. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich meine Art vollkommen ablegen musste, sondern erlebte eher, dass diese geschätzt oder zumindest akzeptiert wurde.
Zurück in Deutschland kam es mir wie ein vollkommener Neuanfang vor. Die neuen Erfahrungen, Gedanken, Sichtweisen und Bedürfnisse müssen mit dem Leben hier in Einklang gebracht werden. Das brauchte bei mir sehr viel Zeit. Ankommen und in Ruhe gucken, was passt und was nicht, und dann daraus etwas machen. Bevor irgendwelche zukunftsweisenden Entscheidungen getroffen werden, würde ich mir nun nach solch einem Aufenthalt immer mindestens einen Monat Zeit lassen.
Das sind meine wichtigsten Erkenntnisse, die ich von meinem Aufenthalt im schönen Gambia mitgenommen habe. Es war eine herausfordernde und schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Ich habe meinen Horizont erweitern können und durch meine Anwesenheit und die Interaktion konnten dies sicher auch einige Gambier. Das ist, was für mich meinen Freiwilligendienst sinnvoll gemacht hat.

Erfahrungsbericht von Philipp K.

Alter: 21 | Aufenthaltszeitraum: 01.12.2011 – 31.03.2012
Freiwilligenstelle: Upper Basic School in Gunjur

Ich habe in der Upper Basic School in Gunjur gearbeitet. Dort durfte ich in der siebten Klasse den Englischunterricht begleiten und bereits nach einer Woche vollkommen selbstständig und alleine unterrichten. Die ganze Zeit wurde ich sehr gut von dem Fachbereichsleiter der Sprachen, betreut und er hat sich immer Zeit für meine Fragen und Anliegen genommen. Von den Schülern wurde ich auch als Lehrer angenommen und die Zusammenarbeit mit dem gesamten Lehrkörper der Schule war äußerst positiv.
Da Sulayman Sambou, kurz Saul, und ich uns sehr schnell sehr gut verstanden haben, war es für mich immer schön ihm in irgendeiner Form unter die Arme zu greifen. Sei es seinen Computer einzurichten, Protokolle zu korrigieren oder an Kliniktagen die Anmeldung der Patienten und das Wechseln der Verbände zu erledigen. Im März gründete ich dann mit Saul die Jugendgruppe von Gunjur, in der ich immer noch Hintergrundarbeit leiste und im steten Kontakt mit den Mitgliedern bin.
Ich habe in Sambou Kunda, Sauls Compound, gewohnt. Dort habe ich mich recht schnell eingelebt und wurde vollständig in die Familie eingegliedert. Ich habe immer viel mit meinen Brüdern (…) gemacht. Jedes Mal wenn ich nach Sambou Kunda gekommen bin, hatte ich wirklich das Gefühl: „Jetzt bist du endlich zu Hause“. Ohne meine Gastfamilie wäre die Zeit in Gambia nur halb so schön gewesen, denn durch sie habe ich auch viele Dinge erlebt und gelernt, die mir sonst entgangen wären. Am Abend kamen wir alle zusammen und haben nach dem Essen meist noch stundenlang draußen gesessen und Ataya-Tee gekocht. (Als sie realisiert haben, dass ich Ataya kochen kann, musste ich fast jeden Abend ran.)
Ich bin sehr froh, dass ich mich für VolNet entschieden hab und ihr euch für mich entschieden habt. Was mich sofort überzeugt hat, war dieses vertraute Gefühl bei VolNet und natürlich auch der Punkt, dass die Freiwilligen in Gastfamilien untergebracht werden.