Freiwilligen-Blog: Eine Nacht im Niemandsland

von Jan aus Peru

Ein Wochenende im Jahr, meistens im Oktober, organisiert Intiwawa ein Treffen für die Kinder aus allen drei Projekten. Dafür werden die Kinder aus Coporaque und Salinas nach San Isidro geholt und verbringen dann dort ein Wochenende.

Dieses Jahr nahmen ca. 100-120 Kinder an dem Kongress teil und es waren viele interessante Aktivitäten geplant. Ein Highlight war, dass jedes Dorf einen traditionellen Tanz eingeübt hatte und diesen am zweiten Tag in traditionellen Kostümen aufführte.

Da der Kongress an einem Freitagabend begann und am Sonntagnachmittag endete, war für die Kinder aus Coporaque und Salinas vorgesehen, im Casa de Intiwawa zu übernachten.

Für die Betreuung und die Sicherheit wurden Freiwillige gebraucht, die mindestens eine Nacht in San Isidro verbringen, um auf die Kinder aufzupassen und sie zu betreuen. Phillip, David, Tom, Nahid und ich erklärten uns bereit die erste Nacht in San Isidro zu schlafen und aufzupassen, dass nichts passiert.

So gegen neun Uhr abends waren dann die Kinder aus Coporaque und Salinas endlich eingetroffen und wir aßen zusammen zu Abend. Danach verwandelten wir das Casa de Intiwawa in einen riesigen Schlafsaal. Eine Schule aus Arequipa hatte uns dazu Matten aus der Turnhalle zur Verfügung gestellt und die Kinder hatten jede Menge Decken mitgebracht. Als wir damit fertig waren begann das Unterhaltungsprogramm für die Kinder. Dazu gehörte Bowling mit Fußbällen auf Wasserflaschen zu spielen, die Reise nach Jerusalem und zum Abschluss schauten wir noch ein paar Cartoons. Gegen zwölf waren dann alle Kinder im Bett. Ich persönlich dachte, der anstrengendste Teil der Nacht wäre jetzt hinter mir und ich freute mich schon auf ein paar Stunden Schlaf, doch die Nacht sollte noch ein richtiges Abenteuer werden.

Allein schon die Atmosphäre ist sehr gespenstisch und abenteuerlich. Es ist absolut still. Nur noch Hundegebell ist zu hören und nachdem so gegen ein Uhr nachts die letzten funktionierenden Straßenlaternen ausgingen war es komplett dunkel. Dazu kam noch, dass es bitter kalt wurde und ich nicht genügend vorbereitet war auf diese Kälte, denn Tagsüber wird es schnell bis ca. 30 Grad warm.

Der schlimmste Teil der Nacht war jedoch, dass einer meiner Mitstreiter etwas von dem Leitungswasser getrunken hatte. Davor wird immer sehr gewarnt. Für Neuankömmlinge ist es sogar gefährlich dieses Wasser abgekocht zu trinken, da es derart unverträglich für Europäer und Nordamerikaner ist. Dementsprechend ging es dieser Person kurze Zeit danach sehr, sehr schlecht. Da der letzte Bus San Isidro so gegen ca. acht Uhr abends verlässt und wir keinen Handyempfang hatten um ein Taxi aus Arequipa zu rufen, abgesehen davon, dass es sehr unwahrscheinlich gewesen wäre, dass um diese Uhrzeit überhaupt noch ein Taxi aus Arequipa soweit rausfährt, mussten wir die Nacht im Niemandsland verbringen. Uns blieb nichts anderes übrig als Tee zu kochen und uns zum Durchhalten zu ermutigen. So gegen fünf Uhr morgens brachten wir unseren kranken Mitstreiter dann zur Bushaltestelle. Von dort konnte er mit dem ersten Bus nach Arequipa fahren und sich dann zu Hause ausruhen und in Ruhe wieder gesund werden.

Der nächste Tag wurde sehr lang nach dieser kurzen Nacht, denn wir mussten noch bis 17 Uhr arbeiten, bevor wir dann auch endlich nach Hause durften um ein wenig zu schlafen.

Wenn ich jedoch heute zurück  blicke, dann muss ich doch sagen, dass meine Nacht in San Isidro ein tolles Erlebnis war, denn es hat den Teamgeist von uns fünf extrem gestärkt und obwohl die anderen vier Freiwilligen inzwischen das Projekt verlassen haben, sind wir immer noch gute Freunde und teilen ein Erlebnis, dass wir wahrscheinlich nie vergessen werden.