Freiwilligen-Blog: Morgens 7:30

von Hannah aus Peru

Sieben Uhr dreißig, ich schließe die Haustür hinter mir, atme nochmal durch und mache mich auf den Weg. Auf meiner Straße öffnen langsam die kleinen Geschäfte. Ich biege auf die Hauptstraße ein – Leute frühstücken an Straßenständen, die Markthalle kommt näher – „Luft anhalten!“ – der Geruch von rohen Hühnchen in Plastiktüten am Morgen beschert mir regelmäßig Brechreiz…ich schwimme im Fluss, sehe alles und nichts, renne beinahe vor ein Auto. IMG_1677„Dios te bendiga“, höre ich eine Señora irgendwo hinter mir sagen. Obwohl ich nicht gemeint war, freue ich mich über diesen Satz und nehme ihn mit auf die Brücke, wo ich auf mein Micro hoffe. Ich beobachte Schultern, Bäuche und Hintern, die sich gegen Scheiben drücken und höre die Cobradores durcheinander schreien. Schließlich erspähe ich das kleine rote s auf einem Außenspiegel – „Nichts wie hin!“- aus dem Augenwinkel sehe ich zwei kleine stämmige Frauen, die geschickt an mir vorbeiziehen und die begehrten Beifahrersitze ergattern. „SubeSubeSubeSubeSube“, schreit der Cobrador mir in meine müden Ohren, während er mit der rechten Handfläche gegen die Schiebetür hämmert – „die Linke hätte er noch für ne Peitsche frei“, denke ich, quetsche mich wie das verlorene Schaf in die Herde und fühle mich augenblicklich wie eine Maus, die von einer Schlange verdaut wird. IMG_1673Schwitzend und gebückt merke ich wie langsam das Blut in meinen Kopf läuft. Ich warte auf ein erlösendes „Baja“ und die damit verbundene Chance einen Sitzplatz zu ergattern. Nach einer gefühlten Ewigkeit gelingt mir dies auch, das Blut läuft dahin zurück wo es hergekommen ist, ich entspanne mich und gucke aus dem Fenster. Ich höre Bremsen, Schreie, Gelächter- das Micro quetscht sich dreist in jede Lücke, die sich auftut. Auf der Kreuzung stehen zwei Clowns, die mit Messern jonglieren – unser Fahrer kauft einer Straßenverkäuferin gerade ein Käseblatt mit zwei vollbusigen Blondinen auf der Titelseite ab – ich schmunzele und merke wie meine Lider schwer werden… Ich wache auf, schaue erschrocken aus dem Fenster und stelle dann mit Erleichterung fest, dass wir noch nicht an meinem Paradero vorbeigefahren sind. „Espinar“, höre ich den Cobrador schreien – „Baja“, entgegne ich und bahne mir den Weg in die Freiheit. Viertel nach neun – fast pünktlich – mein Arbeitstag beginnt.IMG_1680